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Der Blog zur nachhaltigen Mobilität

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Niggemann setzt auf praktikable Lösungen

Nachhaltigkeit beginnt dort, wo sie sich sinnvoll in den Arbeitsalltag integrieren lässt. Genau diesen Ansatz verfolgt die Heinrich Niggemann GmbH + Co. KG. Bei unserem Besuch werden wir von Jonas Görges, Abteilungsleiter für den Bereich Glasbau, herzlich empfangen. Er führt uns über das Betriebsgelände und gibt spannende Einblicke in die Arbeitsabläufe des Unternehmens. Zwischen modernen Fertigungshallen, einer großen Lagerfläche und einem gut organisierten Betriebshof wird schnell deutlich, dass hier täglich Präzision, Teamarbeit und durchdachte Prozesse gefragt sind.

Das traditionsreiche Handwerksunternehmen zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltige Mobilität nicht aus einzelnen Maßnahmen besteht, sondern aus einem Gesamtkonzept, das die betrieblichen Anforderungen ebenso berücksichtigt wie die Bedürfnisse der Mitarbeitenden.

Die Heinrich Niggemann GmbH + Co. KG besteht seit 1948 und beschäftigt heute 38 Mitarbeitende sowie zwei Auszubildende. Geführt wird das Unternehmen durch die beiden Geschäftsführer Dirk Niggemann und Ingo Niggemann. Ein Großteil der Belegschaft ist täglich auf Baustellen im Einsatz – eine besondere Herausforderung, wenn es um die Gestaltung nachhaltiger Mobilität geht.

Mobilität muss zum Arbeitsalltag passen

Schon beim Blick auf den Fuhrpark wird deutlich: Niggemann setzt dort auf Elektromobilität, wo sie im Arbeitsalltag sinnvoll eingesetzt werden kann. Fünf Elektrofahrzeuge gehören mittlerweile zum Unternehmen – und künftig sollen weitere hinzukommen.

Bei den Montagefahrzeugen fällt die Entscheidung hingegen bewusst anders aus. Für den Austausch der vorhandenen Transporter setzt das Unternehmen auch weiterhin auf Dieselfahrzeuge. Der Grund dafür liegt in den Anforderungen des Arbeitsalltags: Die Transporter legen häufig lange Strecken zurück und sind mit Werkzeug, Gestellen und Aufbauten zur Ladungssicherung, Material und mehreren Mitarbeitenden voll ausgelastet. Allein das zusätzliche Material – beispielsweise Glasscheiben – bringt häufig 300 bis 350 Kilogramm auf die Waage. Hinzu kommen je nach Einsatz Anhänger oder weiteres Equipment. Unter diesen Bedingungen reichen die derzeit verfügbaren Reichweiten und Zuladungsgrenzen vollelektrischer Transporter nach Einschätzung des Unternehmens noch nicht aus, um den Arbeitsalltag zuverlässig abzudecken.

Diese differenzierte Betrachtung zeigt: Nachhaltige Mobilität bedeutet nicht, jede Technologie, um jeden Preis einzusetzen, sondern für jeden Einsatzbereich die passende und wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu finden.

Eigene Energie für die Elektromobilität

Ein weiterer Baustein ist die Energieversorgung am Unternehmensstandort. Die Hallendächer sind mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Für Mitarbeitende und Firmenfahrzeuge stehen insgesamt vier Ladepunkte zur Verfügung – darunter drei Schnellladestationen sowie eine Normalladestation.

So wird ein Teil des selbst erzeugten Stroms direkt für die betriebliche Elektromobilität genutzt und gleichzeitig die vorhandene Infrastruktur optimal eingesetzt.

Fahrrad statt Auto – wenn es möglich ist

Auch das Fahrrad spielt bei Niggemann eine wichtige Rolle. Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitenden Dienstradleasing an – mit Erfolg: Rund 15 Beschäftigte nutzen dieses Angebot bereits. 

Zusätzlich können Mitarbeitende das Deutschlandticket Job nutzen. Die Nachfrage fällt aktuell allerdings noch gering aus. Ausschlaggebend dafür ist weniger das Angebot selbst als vielmehr die Erreichbarkeit des Betriebsstandorts. Insbesondere außerhalb der Münsteraner Innenstadt werden die eingeschränkte Busanbindung und die geringe Taktung des öffentlichen Nahverkehrs als Herausforderung wahrgenommen.

Effiziente Tourenplanung spart Zeit und Emissionen

Nachhaltige Mobilität endet nicht bei Fahrzeugen oder Fahrrädern. Einen wichtigen Beitrag leistet auch die intelligente Organisation der täglichen Fahrten. Etwa 80 Prozent der Monteure treffen sich morgens zunächst am Betriebsstandort und fahren von dort gemeinsam zu den jeweiligen Baustellen. Die übrigen Beschäftigten fahren – abhängig vom Einsatzort – direkt von ihrem Wohnort zur Baustelle.

Unterstützt wird dies durch einen Disponenten, der sämtliche Einsätze koordiniert und mithilfe digitaler Werkzeuge sowie einer durchdachten Tourenplanung möglichst effiziente Routen erstellt. Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern hilft gleichzeitig dabei, unnötige Fahrten und damit verbundene Emissionen zu vermeiden.

Weitere Herausforderungen im Arbeitsalltag

Neben der Wahl der passenden Fahrzeuge spielen auch die Rahmenbedingungen vor Ort eine wichtige Rolle. Gerade in dicht bebauten Stadtgebieten stellt die Parkplatzsuche die Monteure regelmäßig vor Herausforderungen. Obwohl Handwerksbetriebe einen Handwerkerparkausweis nutzen können, ist dieser in der Praxis nicht überall einsetzbar. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an geeigneten Parkmöglichkeiten für Handwerksfahrzeuge. Das führt dazu, dass die Mitarbeitenden teilweise mehrere Runden fahren müssen, bevor sie einen geeigneten Parkplatz finden – ein zusätzlicher Zeitaufwand, der sich oftmals kaum vermeiden lässt.

Besonders herausfordernd sind kurzfristige Notfalleinsätze. In einigen Bereichen Münsters dürfen Handwerksfahrzeuge lediglich für 15 Minuten zum Be- und Entladen halten. Für umfangreichere Arbeiten reicht dieser Zeitraum jedoch nicht aus. Sondergenehmigungen sind mit zusätzlichen Kosten verbunden und häufig nicht kurzfristig erhältlich. Diese Rahmenbedingungen erschweren den Arbeitsalltag und zeigen, dass die besonderen Anforderungen des Handwerks bei der Verkehrs- und Parkraumplanung künftig stärker berücksichtigt werden müssen.

Nachhaltigkeit mit Augenmaß

Unser Besuch bei Niggemann zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltige betriebliche Mobilität viele Facetten haben kann. Elektromobilität, Photovoltaik, Dienstradleasing und intelligente Tourenplanung greifen sinnvoll ineinander und orientieren sich stets an den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens.

Gleichzeitig wird deutlich, dass nachhaltige Mobilität nicht allein von den Entscheidungen eines Betriebs abhängt. Auch die vorhandene Infrastruktur und die kommunalen Rahmenbedingungen beeinflussen, welche Lösungen im Arbeitsalltag tatsächlich umsetzbar sind. Die Heinrich Niggemann GmbH + Co. KG beweist, dass nachhaltige Mobilität vor allem dann erfolgreich ist, wenn sie mit Augenmaß geplant wird und sich an den praktischen Anforderungen des Handwerks orientiert.

Fakten
GewerkGlaserei /Glaserhandwerk
Betriebsinhaber/GeschäftsführerDirk Niggemann & Ingo Niggemann
Niggemann Glas & SpiegelCoermühle 2C
48157 Münster-Nord

Anzahl Mitarbeitende

Auszubildende 

38

2

Lageländlich, aber stadtnah
MaßnahmenTourenplanung/ -optimierung durch Disponent
E-Fahrzeuge zur betrieblichen Nutzung
Dienstradleasing für Mitarbeiter/innen
Angebot DeutschlandTicket für Mitarbeiter/innen
Fahrradabstellanlage
Laden über PV-Anlage